Berliner Forschende haben in Seen ein erstaunliches genetisches Archiv entdeckt: Im Sediment sammeln sich über Jahrzehnte hinweg Antibiotika-Resistenzgene an. Was unter der Wasseroberfläche unsichtbar bleibt, könnte langfristig eine wichtige Rolle bei der Verbreitung von Resistenzen spielen.Die Studie zeigt, dass moderne Kläranlagen nicht alle entsprechenden genetischen Spuren zurückhalten. Ein Teil gelangt in Gewässer und kann sich dort im Schlamm ablagern. Genau dieses Sediment wirkt dann wie ein Speicher, in dem Resistenz-DNA konserviert bleibt.Besonders brisant ist: Bakterien können solche genetischen Informationen aufnehmen. Aus harmlosen Mikroorganismen können so resistente Keime werden. Das Problem wächst nicht laut, nicht sichtbar, sondern still — Schicht für Schicht im Boden der Seen.Für die Forschung ist das ein wichtiger Hinweis darauf, dass urbane Gewässer nicht nur Ökosysteme sind, sondern auch Archive menschlicher Eingriffe. Die Belastung mit Resistenzgenen ist damit nicht nur eine Frage der Abwassertechnik, sondern auch der langfristigen Umweltfolgen.
Originalstudie:
De Yebra P. et al. (2026): Diversity of antibiotic resistance genes increases in urbanized lakes: a multi-tool screening. iScience 115892.
DOI: 10.1016/j.isci.2026.115892